Hunde im Auto

Hunde im Auto bei Sonne

Pralle Sonne schädlich für Hunde im Auto

Bern - Der Schweizer Tierschutz ruft dazu auf, Hunde nicht über längere Zeit im Auto der prallen Sonne auszusetzen. (bert/sda)

Laut dem Eidgenössischen Tierschutzgesetz gelte dies als fahrlässige Tierquälerei durch Vernachlässigung.
Da sich ein Auto im Sommer schnell aufheizt, können die Tiere Temperaturen von bis zu 60 Grad Celsius ausgesetzt sein, wie der Schweizer Tierschutz in einer Mitteilung schreibt.
Tierquälerei durch Vernachlässigung kann Haft oder eine Busse von bis zu 20 000 Franken nach sich ziehen. Wer einen Hund in einem Auto sehe, das in der Sonne stehe, solle sofort die Polizei rufen, schreibt der Tierschutz.
Bei langen Autofahrten, insbesondere bei heissem Wetter, ist dafür zu sorgen, dass sich der Hund wohlfühlt. Lassen Sie Ihren Hund bei warmen Wetter nie im parkierten Auto zurück. Auch bei leicht geöffneten Fenstern wird es im Innenraum schnell sehr heiss. Bei geschlossenen Fenstern werden Temperaturen von 60 - 80° Celsius erreicht. Ein eingeschlossener Hund hat keine Möglichkeit, der Hitze zu entfliehen. Denken Sie daran, auch wenn Sie das Auto im Schatten parkiert haben, dass die Sonne wandert und Ihr Auto sehr schnell in der Sonne stehen kann. Auch während der Fahrt soll der Hund vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt werden. Führen Sie immer frisches Wasser und ein Trinkgefäss für den Hund mit.

Parking-Falle für Hunde in der Sommerhitze
Die warmen Sommermonate stehen vor der Tür; das Problem von Hunden in parkierten Fahrzeugen in der Sommerhitze wird aktuell und damit natürlich auch die Frage, was zu tun ist, wenn man sich mit einem solchen Fall konfrontiert sieht. Macht sich der Tierhalter durch ein solches Verhalten strafbar? Ist die Polizei zu alarmieren?
Dürfen Sie als Tierschützerin oder als Tierschützer ein Tier aus einer wirklich kritischen
Situation befreien? Leider kommt es immer wieder vor, dass ein unverantwortlicher Tierhalter seinen
Hund (oder ein anderes Tier) im Fahrzeug einsperrt und das Auto an der prallen Sonne stehen lässt. Manchmal kommt leider jede Hilfe zu spät, doch oftmals ist es möglich, dank aufmerksamer Passanten, welche die nötigen Massnahmen einleiten, Tiere zu retten. Gerichte haben sich regelmässig mit Fällen von Tieren, namentlich Hunden, im sonnenbeschienenen Fahrzeug zu befassen. Umso wichtiger ist es zu wissen, wie eine solche Sachlage rechtlich beurteilt wird und was für Interventionsmöglichkeiten bestehen.

Tierschutzrelevanz: Starkes Vernachlässigen als Tierquälerei
Bei sommerlichen Temperaturen können in einem an der Sonne stehenden verschlossenen Personenauto innert weniger Minuten Temperaturen von weit über 60 Grad Celsius auftreten. Auch das spaltweise Öffnen der Seitenfenster ändert an der Hitze im Fahrzeug wenig. Die Belastung für eingesperrte Hunde ist somit enorm: Der geringe Luftraum im Auto verunmöglicht dem Tier einen Wärmeaustausch über Hecheln oder Verdunstung, und gestresste Tiere können bei fortschreitender Hitzebelastung den Hitzetod durch Kreislaufzusammenbruch erleiden.
Parking-Falle für Hunde / Seite 2
Was sagt das Tierschutzgesetz und die tierschutzrechtliche Praxis dazu?
Das Eidgenössische Tierschutzgesetz stellt in Art. 22 Abs. 1 und in Art. 27 TSchG das starke Vernachlässigen
eines Tieres als einen Anwendungsfall der Tierquälerei unter Strafe. Das Bundesgericht hat in einem Entscheid aus dem Jahre 1992 klar gemacht, dass eine starke Vernachlässigung nicht erst dann gegeben ist, wenn das Tier in seinem Zustand nicht mehr lebensfähig ist, sondern schon dann, wenn es unter der fehlenden oder ungenügenden Pflege und Fürsorge erheblich leidet und sein Wohlbefinden stark beeinträchtigt ist.
Die starke Beeinträchtigung des Wohlbefindens und das Leiden eines Tieres, das sich in einem überhitzten Fahrzeug befindet, ist unbestritten, so dass das längerfristige Zurücklassen eines Tieres im sonnenbeschienenen Auto als tierschutzwidriges Verhalten, genauer gesagt als fahrlässige Tierquälerei durch Vernachlässigung, qualifiziert werden muss. Der Fehlbare hat mit einer Haft oder Busse bis zu 20'000 Franken zu rechnen.
Dass ein Tierhalter seinen Hund vorsätzlich, also absichtlich und in vollem Bewusstsein der zugefügten Leiden, im überhitzten Auto zurücklässt, kann oft nur mit grösster Mühe nachgewiesen werden und kommt zum Glück auch nicht allzu häufig vor. Ein solches Verhalten würde beispielsweise auf einen Tierhalter zutreffen, der seinen Hund wiederholt während des samstäglichen Einkaufsbummels unter den geschilderten Bedingungen im Auto zurücklässt.

Die Befreiung des Tieres
Ist es zulässig, sich einem vernachlässigten und geschwächten Tier anzunehmen, noch bevor die Polizei den Tatort erreicht hat?
Als Grundsatz gilt, dass immer zuerst die Polizei zu benachrichtigen ist. Erst wenn ihre Hilfe nicht rechtzeitig erlangt werden kann – etwa weil sich das Tier erkennbar in einem kritischen gesundheitlichen Zustand befindet und das Herbeirufen der Polizei zu viel Zeit in Anspruch nehmen würde, sind unbeteiligte Dritte, die den Vorfall beobachten, berechtigt, das Tier selber zu befreien und z.B. die Autofenster zu öffnen. Im Obligationenrecht sind diese Voraussetzungen einer zulässigen Selbsthilfe in Art. 52 Abs. 3 niedergelegt. Eine Ersatzpflicht für am Auto angerichtete Schäden besteht bei Einhaltung der Sorgfaltspflicht nicht. Da in der Regel davon auszugehen ist, dass der Tierhalter seinen Hund mehr aus Unwissen oder Unbedachtheit im heissen Auto zurücklässt, als dass er dessen Tod bewusst in Kauf nimmt, kann die Rettungsaktion des gefährdeten Tieres auch mit der mutmasslichen Einwilliung des Tierhalters gerechtfertigt werden:
Sie als Tierschützerin bzw. Tierschützer handeln nämlich im Interesse und nach dem mutmasslichen Willen des Tierhalters – also quasi als „Geschäftsführer ohne Auftrag“ (vgl. Art. 419 ff. Obligationenrecht), indem Sie sein Tier aus seiner misslichen Lage befreien. Ausserdem bewahren Sie den Halter vor dem Begehen einer Straftat gemäss Tierschutzgesetz: nämlich der (zumindest fahrlässigen) starken Vernachlässigung seines Vierbeiners i.S.v. Art. 27 Abs. 2 TSchG. Parking-Falle für Hunde / Seite 3
© Schweizer Tierschutz STS, Mai 2003
Autorinnen:
Dr. iur. Birgitta Rebsamen, Vizepräsidentin STS und lic. iur. Sibylle Horanyi, Rechtsdienst STS
Auch strafrechtlich lässt sich ähnlich argumentieren, so dass Sie bei einer Befreiungsaktion keine grossen Unannehmlichkeiten zu befürchten haben.

Beachten Sie jedoch immer Folgendes:

! Alarmieren Sie sofort die Polizei.
! Intervenieren Sie erst, wenn der Beizug der Polizei erfolglos geblieben ist (etwa wegen zeitlicher
Überlastung) oder ein wirklicher Notfall vorliegt in dem Sinne, dass Ihr Eingreifen zum Wohl des Tieres unerlässlich ist.


! Alarmzeichen sind verstärktes Hecheln, Herumspringen im Fahrzeug, lautes Jaulen oder Winseln, aber auch Mattigkeit, Apathie und Bewusstlosigkeit des Tieres bei fortschreitender Hitzebelastung.
! Legen Sie den befreiten Hund in den Schatten oder an einen kühlen Ort und befeuchten Sie seinen Körper und seine Beine mit nassen, kühlen Tüchern sowie die Maulhöhle mit kaltem Wasser. Überlassen Sie die weitere Behandlung einem Tierarzt.
! Nicht jeder Tierhalter ist Ihnen für eine beschädigte Fensterscheibe oder Autotür dankbar und könnte gegen Sie ein Verfahren wegen Sachbeschädigung anstrengen oder eine Schadenersatzforderung stellen. Gerade deshalb ist es wichtig, dass Sie Ihren Standpunkt der notwendigen Selbsthilfe gut begründen und aufzeigen können, dass Ihr Eingreifen zum Wohl des Tieres nötig war.

! Erstellen Sie zu Ihrer eigenen Absicherung ein Protokoll über den Ablauf des Sachverhalts.
Das betroffenen Tier kann sich nicht selber wehren. Es ist deshalb auf unsere Hilfe angewiesen, wenn es vor dem Hitzetod in der Parking-Falle bewahrt werden soll. Berücksichtigen Sie die oben dargestellten Grundsätze, so haben Sie aus rechtlicher Sicht nichts zu befürchten.

Artikel aus www.tierschutz.com

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